24. Januar 2019

Belletristik

 

Selim Özdogan, Die Tochter des Schmieds, Roman, Aufbau Verlag Berlin 2006, ISBN 3-351-03039-8.

Fatma ist tot. Obwohl ihr Mann, der Schmied, untröstlich ist, muss er sich rasch wieder verheiraten, denn drei kleine Töchter wollten versorgt sein.
Aber es heißt, »das Mädchen, dessen Mutter stirbt, hält sich für eine Mutter«, und weil die Stiefmutter pflichtbewusst, aber lieblos ist, schlüpft Gül in diese Rolle. Auch Gül hat Träume und Sehnsüchte, aber sie hat nie gelernt, etwas für sich zu fordern. So verlässt sie die Schule ohne Abschluss, heiratet mit fünfzehn einen Mann, den sie nicht liebt, und folgt ihm mit zwei Kindern, einem Pappkoffer und ohne Hoffnung in ein Land, dessen Sprache sie nicht spricht.
Unmerklich werden hier Sehnsüchte nach einem leichteren Alltag wach, und niemand ahnt, dass das Leben dadurch auch schwerer werden kann.

Emine Sevgi Özdamar, Seltsame Sterne starren zur Erde, Roman, Kiepenheuer und Witsch Verlag Köln 2003, ISBN 3462032127

Berlin, Mitte der 70er Jahre. Eine geteilte, eingeklemmte Stadt, und doch voller heftiger und stiller Aufbrüche in Ost und West. Genau dorthin zieht es 1976 eine junge türkische Schauspielerin aus Istanbul, noch niedergedrückt von Erinnerungen an die Militärdiktatur im eigenen Land, aber mit einem großen Traum: das Theater ...

Orhan Pamuk, Schnee, Roman, Carl Hanser Verlag, München 2005, ISBN 3446205748

Ein Fremder kommt nach Kars, eine türkische Provinzstadt, um eine merkwürdige Serie von Selbstmorden zu untersuchen: Junge Mädchen haben sich umgebracht, weil man sie zwang, das Kopftuch abzulegen. Plötzlich kommt es zu einem Putsch, inszeniert von einem Schauspieler. Ein Theatercoup? Doch es fließt echtes Blut, es intervenieren echte Soldaten, keiner kann die Stadt verlassen, weil es unaufhörlich schneit.

Ahmet Altan, Der Duft des Paradieses, Roman, Fischerverlag Frankfurt 1998, ISBN 3-596-15373-2

In einer verlassenen Villa in Istanbul unterhält sich ein dem Wahnsinn naher Mann mit den Toten. Sie erzählen ihm vom Osmanischen Reich, das Ende des 19. Jahrhunderts in den letzten Zügen liegt. Es sind Geschichten aus Palästen und Herrschaftshäusern, von Intrigen, Revolution und Gewalt, es sind Liebesgeschichten und Eifersuchtsdramen, und sie berichten von Freundschaft, Verrat und grenzenloser Gier. Im Mittelpunkt des Geschehens steht die schöne Mehpare Hanim. Niemand, der dieser Frau begegnet oder auch nur von ihr hört, kann sein Leben fortsetzen wie früher.

Aziz Nesin, Surname, Man bittet zum Galgen, Roman, Unionsverlag Zürich 1996, ISBN 3-293-20066-4

Surnâme war in den Zeiten des osmanischen Reiches ein Festgedicht zu Lob und Preis der Sultansfamilie. Aziz Nesin hat ein Surnâme auf die Justiz einer Demokratie geschrieben, die Hinrichtungen als Volksfeste inszenierte - und das bis in die sechziger Jahre.In einer großartigen Satire erzählt Nesin vom kurzen Leben und langen Leiden des Barbiers Hayri und von den vielen Mühen, die dem Staate erwachsen, diesen ordnungsgemäß vom Leben zum Tode zu befördern. Dass dabei ein ergreifendes Pamphlet gegen die Todesstrafe und ein präzises Porträt der gnadenlosen Hierarchien in türkischen Gefängnissen entstehen, wirkt fast unbeabsichtigt.

Feridun Zaimoglu, Leyla, Roman, Kiepenheuer und Witsch Verlag, Köln 2006 ISBN 3462036963

Eine anatolische Kleinstadt in den fünfziger Jahren. Hier wächst Leyla als jüngstes von fünf Geschwistern auf, im engen Kreis der Familie und der Nachbarschaft, und hegt einen großen Wunsch: Sie will dieser Welt entkommen. Leylas Vater hat keinen Erfolg, verliert seine Anstellung als Bahnbeamter und schlägt sich mit immer windigeren Geschäften durch. Die Brüder gehen ihrer Wege, rebellieren gegen den Vater, die Schwestern warten auf den Mann, der für sie ausgesucht wird, und hoffen auf die große Liebe. Leyla erobert sich kleine Freiheiten, die sie wieder verliert, als sie zur Frau wird. Und sie kommt einem dunklen Familiengeheimnis auf die Spur.

Aysegül Acevit (Hrsg.) / Birand Bingül (Hrsg.), Was lebst Du?, Geschichten, Knaur Verlag, München 2005, ISBN 3426777975

Eine neue Generation meldet sich zu Wort: Knoblauch und Kopftuch, Kümmel und Koran. Jaja. Aber so langsam glauben die Deutschen selbst nicht mehr an ihre Vorurteile, und auch die Türken zweifeln an ihrem einseitigen Bild des Deutschen. Was ist denn eigentlich typisch türkisch und was ist typisch deutsch? Welche Erfahrungen machen Deutsch-Türken? Kurzgeschichten hierzu.

Osman Egin, Don Osman, Neue heimtürkische Geschichten, Deutscher Taschenbuchverlag, München 2006, ISBN 3-423-20799-7

»Heimtürkisch« erzählt der Kanaken-Gandhi von seinen Erlebnissen mit der fünfköpfigen Großfamlie: Ein Stau auf dem Weg zum Picknick im Park wird da sinnvoller Weise zum Picknick auf den Autodächern genutzt oder die Angst vor Kampfhunden mit dem Einsatz eines kleinen Dackels kompensiert.



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