14. Dezember 2018

Berufliche Bildung - Berufsgymnasien

Jugendliche können zwischen mehreren Berufsbildungswegen wählen

Die schulische Berufsbildung in Berufsgymnasien und die traditionelle Lehrlingsausbildung im Betrieb sind in der Türkei nach wie vor am häufigsten verbreitet. Chancenreicher sind jedoch Ausbildungen nach dem dualen System (seit Ende der 1980er Jahre im Aufbau nach deutschem Vorbild).

Die Ausbildungsmöglichkeiten werden im folgenden ausführlicher dargestellt.

(1) Der schulische Berufsbildungsweg: Berufsgymnasien

Nach Abschluss der achtjährigen Grundschule können die Jugendlichen ein dreijähriges Berufsgymnasium oder ein vierjähriges technisches Gymnasium besuchen. Der erfolgreiche Abschluss qualifiziert zum Besuch einer Hochschule oder zum Einstieg ins Berufsleben. Absolventen von gewerblich-technisch orientierten Schulen erhalten zudem einen Befähigungsnachweis für eine selbständige Berufsausübung.

Die Berufsgymnasien bieten ein vielfältiges Programmangebot. Zu ihrer beruflichen Bildung können Jugendliche zwischen

- technischen Gymnasien

- Gymnasien für Handel und Tourismus

- sowie sonstigen Berufsgymnasien

wählen, wie in folgender Liste im Überblick veranschaulicht.

Technische Gymnasien für Jungen

   1. Erkek Teknik Lisesi (Technik) 

   2. Endüstri Meslek Lisesi (industrieller Beruf) 

   3. Anadolu Erkek Teknik Lisesi (Anadolu Technik) 

   4. Anadolu Erkek Meslek Lisesi (ABG)
 

Technische Gymnasien für Mädchen

   1. Kiz Teknik Lisesi (Technik) 

   2. Kiz Meslek Lisesi 

   3. Anadolu Kiz Teknik Lisesi(Anadolu Teknik) 

   4. Anadolu Kiz Meslek Lisesi (ABG)

Gymnasien für Handel und Tourismus

   1. Ticaret Meslek Liseleri (BG für Handel) 

   2. Aksam Ticaret Meslek Liseleri (Abend-BG für Handel) 

   3. Anadolu Otelcilik ve Turizm Meslek Lisesi 

      (ABG f. Hotel und Tourismus)

   4. Anadolu Dis Ticaret Meslek Lisesi (ABG für Außenhandel) 

   5. Anadolu Ticaret Meslek Lisesi (ABG für Handel) 

   6. Anadolu Sekreterlik Meslek Lisesi (ABG für Sekretäre/innen) 

   7. Anadolu Asçilik Meslek Lisesi (ABG für Köche/ Köchinnen) 

   8. Anadolu Mahalli Idareler Meslek Lisesi (ABG für Verwaltung) 

   9. Anadolu Basin-Yayin-Reklamcilik Meslek Lisesi (ABG für Medien)
 

(2) Der traditionelle betriebliche Berufsbildungsweg

Die traditionelle Lehrlingsausbildung wird noch weithin praktiziert. Sie ist im allgemeinen weniger empfehlenswert.  (Seit den 1980er Jahren wird an einer Reform dieser Ausbildung gearbeitet - im Sinne der Einführung des dualen Systems. Diese wird jedoch zaghafter umgesetzt als gehofft.)

Bei der traditionellen Lehrlingsausbildung wird das Ausbildungsverhältnis grundsätzlich zwischen dem Betriebsinhaber und den Eltern des Auszubildenden mündlich geregelt. Eine Vereinbarung in Form eines offiziellen Lehrvertrages liegt generell nicht vor. Die rechtlich-soziale Absicherung des Lehrlings ist dem Ermessen (bzw. der Willkür) des Betriebsinhabers überlassen. Auch das Ende der Ausbildungszeit wird von der subjektiven Beurteilung des Arbeitgebers bestimmt. Oft ist dieser Zeitpunkt spätestens mit der Einberufung zum Militärdienst erreicht. Dabei wird keine abschließende und berufsqualifizierende Prüfung abgelegt. Die subjektive Anerkennung der Lehrlings-Leistungen durch den Betriebsinhaber ist der Quasi-Nachweis beruflicher Qualifikation. In der Praxis fehlt es vielfach an der Vermittlung theoretischer und fachkundiger Kenntnisse.

Der Betriebsinhaber kann sich auch dann Meister nennen, wenn er für das "Ausbilden" keine fachliche Qualifikation und damit keine offizielle Kompetenz besitzt. Deshalb ist die Grundlage der Ausbildung meistens die praktische Berufserfahrung des Meisters. Je nach der beruflichen und/oder betrieblichen Situation dauert eine solche Ausbildung zwischen drei und sechs Jahren. Ein gleichzeitiger Besuch einer berufsbildenden Schule findet zwar oft nicht statt, ist aber auch nicht ausgeschlossen. Die Ausbildung des Lehrlings kann einfach auf praktische Anschauung und Mithilfe bei der Arbeit reduziert bleiben und/oder aus dem Erlernen bestimmter praktischer Fertigkeiten bestehen.

In der Realität werden die Kinder dabei als unqualifizierte und billige Arbeitskräfte eingesetzt. Je nach persönlichem Ermessen und/oder Einwilligung des Betriebsinhabers darf sich der Lehrling mindestens nach 3 Jahren und ohne einen entsprechenden offiziellen Befähigungsnachweis "Geselle" nennen. Anschließend kann er im Betrieb bleiben und als Geselle mitarbeiten oder sich selbständig machen. (3) Das duale Berufsausbildungssystem

(3) Das duale Berufsausbildungssystem

Das traditionelle Berufsausbildungswesen wurde in zwei Gesetzen 1977 und 1986 reformiert. Wesentliche Unterschiede des Gesetzes von 1986 zum alten Gesetz sind:

  • Das Berufsbildungsalter wurde von 12 auf 13 Jahre erhöht unter Einschaltung einer Lehrlingskandidatenzeit.
  • Der Arbeitnehmeranteil der Sozialversicherungsbeiträge für Lehrlinge wurde vom Erziehungsministerium übernommen. 
  • Für Schüler von vollzeitlichen berufsbildenden und technischen Gymnasien wurde nunmehr eine praktische Ausbildung in Industrie- und Dienstleistungsbetrieben während der Ferien zur Pflicht, um ihnen praktische Fähigkeiten und Fertigkeiten zu vermitteln. 
  • Auch die Staatsbetriebe wurden als Lehrbetriebe einbezogen.
  • Zur Planung, Entwicklung und Bewertung von berufsbildenden Maßnahmen bzw. von diesbezüglichen Fragen wurde ein " Rat für Berufsausbildung" gegründet.

Das System beruht auf der Einheit von Betrieb und Schule. Die Aneignung von Berufskunde und theoretischen Kenntnissen erfolgt in der Schule, gleichzeitig findet die praktische Ausbildung im Betrieb Berücksichtigung. Beide ergänzen sich und sind gleichgestellt.

Grundsätze der Lehrlings- und Gesellenausbildung

Alle Jugendliche im Alter zwischen 13 und 18 Jahren und mit einem Volksschulabschluss können eine Lehrlingsausbildung in Betrieb und Schule machen. Jugendliche, die ihr 13. Lebensjahr noch nicht vollendet haben, müssen eine einjährige "Lehrlingskandidatenphase" absolvieren: Sie haben zwar einen Lehrlingsvertrag, sind im Betrieb als Lehrling tätig, besuchen aber noch nicht die Berufsschule. Damit wird bezweckt, die Kinder im Alter zwischen 11 und 13 Jahren vor zu hoher Arbeitsbelastung zu schützen, sie als Schüler zu behandeln und ihnen - entsprechend ihrer Interessen und Begabung - eine entsprechende Berufswahl zu erleichtern. Sie sind nunmehr als Lernende (Schüler) und nicht mehr als "billige Arbeitskraft" zu betrachten.

Die Ausbildung gründet auf einem privaten Vertragsverhältnis mit einem Arbeitgeber (Lehrbetrieb) und einer Berufsschule. Der Auszubildende verbringt etwa 3/4 der Woche in seinem Lehrbetrieb und den Rest in der Berufsschule. Die Berufsbildung ist für den Lehrling kostenlos. Die Arbeit im Ausbildungsbetrieb wird entlohnt, wenn auch kaum ausreichend. Die Auszubildenden bekommen über einen Monat bezahlten Urlaub. Die Lehre beginnt mit einer Probezeit von ein bis drei Monaten. Auch in der Probezeit wird der Lehrling bezahlt.

Die Dauer der Lehrzeit beträgt je nach Berufszweig drei bis vier Jahre. Für Auszubildende werden bestimmte berufsspezifische Lehrpläne ausgearbeitet und angewendet. Sie entsprechen jeweils den Gegebenheiten des Berufszweiges bzw. der Betriebe und werden unter Aufsicht des Ausbilders durchgeführt.

Entwicklung und Leistungen des Auszubildenden werden von Betrieb und Schule gemeinsam verfolgt und bewertet. Auch die Prüfungen der Auszubildenden zum Gesellen und zum Meister werden von Schule und Betrieb gemeinsam vorbereitet und durchgeführt. Für Lehrlinge ist mindestens 8 Stunden pro Woche und 32 Wochen pro Jahr eine theoretische Kenntnisvermittlung/Unterweisung in der Berufsschule [sog. Ausbildungszentren (ÇEM)] vorgesehen. Die Lehrlinge sind dafür von ihren Betrieben freizustellen. Die praktische Ausbildung erfolgt dagegen in den Betrieben. Durch den aktiven Einsatz der Lehrlinge im Betrieb soll sich ein hoher Praxisbezug ergeben, womit auch die Übergangschancen in eine anschließende Beschäftigung erhöht werden sollen.

 



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