14. Dezember 2018

Schulsystem Türkei

Mit der Schulreform von 1997 wurde die Schulpflicht von fünf auf acht Jahre verlängert.

Das türkische Schulsystem ist zentral organisiert und untersteht dem Ministerium für Nationale Erziehung (MEB) in Ankara, das alle Curricula und Lehrbücher (auch von Privatschulen) genehmigen muss.

Mit der Schulreform von 1997 wurde die Schulpflicht von fünf auf acht Jahre verlängert. Die fünfjährige Grundschule und die dreijährige Mittelschule bilden nun eine Schule, deren Besuch kostenlos ist, während die Eltern für Lehrbücher und Schuluniformen aufkommen müssen. Jeweils nach Abschluss der Grund- und Mittelschule erhalten die Schüler ein Abschlussdiplom. Da manche Gebiete im Osten und Südosten jedoch schwer zugänglich sind, kann die achtjährige Schulpflicht nicht überall durchgesetzt werden, so dass ein Teil der dort lebenden Kinder nur eine fünfjährige Schulbildung erhält.

Um eine kostenlose (staatliche) weiterführende Schule zu besuchen, müssen die Schüler eine Aufnahmeprüfung für die verschiedenen Formen von allgemein bildenden und berufsbildenden Schulen ablegen. An den dreijährigen berufsbildenden Gymnasien erhalten sie neben der Hochschulreife eine Berufsausbildung. Einige Berufsgymnasien und eine zunehmende Zahl von allgemein bildenden Gymnasien bieten neben der dreijährigen Form eine vierjährige an, bei der einige Fächer in einer Fremdsprache unterrichtet werden (Englisch, Deutsch, Französisch, Italienisch). Zur Vorbereitung werden die Schüler ein Jahr lang intensiv in der Fremdsprache unterrichtet, so dass sich die Schuldauer auf zwölf Jahre erhöht.

Da die Nachfrage nach den – zentral vergebenen – Studienplätzen bei weitem nicht befriedigt werden kann, müssen sich die Studierwilligen zusätzlich zum Abitur einer Aufnahmeprüfung unterziehen, auf die sie von den staatlichen Gymnasien häufig nur unzureichend vorbereitet werden. Auch diese Kluft wird von privaten Lehranstalten gefüllt, die sich der ärmere Teil der Bevölkerung nicht leisten kann.

Berufsbildungssystem Türkei

Der traditionelle Ausbildungsweg ist eine praktische Ausbildung in einem Handwerksbetrieb

Bis zur Schulreform 1997 konnten Jugendliche an Mittelschulen eine – zumeist geschlechtsspezifische – Berufsausbildung absolvieren. Mit der Abschaffung der Mittelschulen ist dieser Zweig an die Berufsgymnasien verlagert worden, die vorwiegend theoretische Kenntnisse vermitteln, während praktische Erfahrungen durch Betriebspraktika in den Ferien erworben werden.

Der traditionelle Ausbildungsweg ist eine praktische Ausbildung in einem Handwerksbetrieb, die nach der Pflichtschulzeit aufgenommen wird. Dabei führt der Meister und Betriebsinhaber (usta) den Lehrling in Theorie und Praxis seines Berufes ein. Die Lehrzeit ist nicht festgelegt, beträgt aber üblicherweise drei bis fünf Jahre und endet bei Jungen spätestens mit Beginn der Militärzeit. Der Meister verleiht dem Jugendlichen den Titel kalfa (etwa: Geselle) und lässt ihn von der jeweiligen Berufskammer bestätigen. Nach einigen weiteren Arbeitsjahren kann der Geselle selbst einen Gewerbeschein beantragen und eine Werkstatt eröffnen.

Um den Schwächen dieses Systems zu begegnen (einseitige Ausbildung, große Abhängigkeit vom Betrieb, mangelnde Vergleichbarkeit der Abschlüsse), wird seit Ende der 1980er Jahre versucht, das duale System einzuführen, bei dem die Jugendlichen neben der betrieblichen auch eine formale, schulische Ausbildung erhalten. Der Abschluss im dualen System eröffnet den Absolventen größere berufliche Chancen, Klein- und Mittelbetriebe sind mit der systematischen Ausbildung jedoch oft überfordert, so dass dieser Ausbildungstyp vor allem von Großbetrieben angeboten wird.

Ungefähr ein Drittel der Jugendlichen, darunter überdurchschnittlich viele Mädchen, bleibt immer noch ohne Ausbildung – vor allem in ländlichen Gebieten, in denen die schulische Versorgung unterentwickelt ist. Um ihre Erwerbschancen zu fördern, sind bereits 1926 Volksbildungsschulen und – in den letzten 20 Jahren – Fernschulen und Fernuniversitäten errichtet worden, die ein weit gefächertes Angebot an praktischen und theoretischen Kursen unterhalten, mit Ausnahme der Fernuniversitäten jedoch keine formalen Abschlüsse verleihen.

Die wesentlichsten Unterschiede zum deutschen Schulsystem:

  • der formale Aufbau des Schulsystems
  • die unterschiedlichen Schul- und Ausbildungsabschlüsse 
  • die Lehrpläne (in naturwissenschaftlichen Fächern den deutschen Lehrplänen voraus!)
  • die Lernmethoden (Disziplin und Auswendiglernen in der Türkei)
  • die schulische Infrastruktur beider Länder

Wichtige Reformen:

1997 wurden Reformen für das Schulsystem beschlossen:

  • Die Schulpflicht wurde auf acht Jahre verlängert. (Im vorherigen System waren es fünf Jahre.)
  • Die Mittelschule wurde abgeschafft. (Sie konnte vorher an die fünfjährige Grundschule anschließen, ihr Besuch war freiwillig.)

Seit 1998 erfolgt die Zugangsprüfung zur Hochschulausbildung nur noch in einer Stufe (Gymnasialnoten werden weiterhin zusätzlich berücksichtigt). 

Aktuell: Kritische Worte zum Bildungs-Angebot an Schulen

Die Gewerkschaft Bildung und Erziehung (Egitim-Sen) (100.000 Mitglieder) weist auf  Missstände im Bildungssystem bzw. dessen Umsetzung hin. Insbesondere fehle es an Lehrern. Auch die Ausstattung der Schulen sei schlecht, viel zu wenige Schulen seien mit Computern versorgt. Die Ausstattung von Privatschulen gilt als gut, aber sie finden sich überwiegend nur in Großstädten. Die Kosten, die Eltern für Privatschulen aufbringen müssen, sind sehr hoch.



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