14. Dezember 2018

Armut bei Kindern mit Migrationshintergrund.

Kindern mit Migrationshintergrund eine Perspektive zu bieten heißt, sie von Geburt an individuell zu fördern und ihnen damit bessere Chancen im Bildungs- und Ausbildungssystem zu ermöglichen.

 

Der "Kinderreport 2007" des Deutschen Kinderhilfswerkes hat in der vergangenen Woche für Schlagzeilen gesorgt - Präsident Thomas Krüger forderte ein nationales Programm zur Bekämpfung der Kinderarmut in Deutschland. Der Beitrag im "Kinderreport 2007" von Claudia Walther und Petra Klug, Expertinnen der Bertelsmann Stiftung, legt seinen Schwerpunkt auf Armut bei Kindern mit Migrationshintergrund. Wie sehr sind Kinder mit Migrationshintergrund von Armut bedroht? Was sind die Ursachen? Welche Handlungsansätze sind zu empfehlen, um gegen Armut von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund vorzugehen? Diesen Fragen gehen die beiden Autorinnen nach.

Kinderarmut bedeutet viel mehr, als wenig Geld zu haben: Ein Teufelskreis aus Armut - schlechten Bildungschancen - schlechten Berufschancen droht. Neben einer Bildungsoffensive, die personellen und qualitativen Standards gerecht wird, sollte deshalb auch die gezielte Förderung von Kindern mit Migrationshintergrund auf der Agenda stehen.

Viele Kommunen haben die Integration von Zuwanderern als wichtige Herausforderung erkannt, die gerade vor dem Hintergrund einer sehr heterogenen Bevölkerungsentwicklung als Folge des demographischen Wandels an Bedeutung gewinnt. Inwieweit es gelingt, Deutschland als Einwanderungsland zu gestalten, zeigt sich am deutlichsten in der Lebenswirklichkeit der Menschen in den Städten und Gemeinden. Tatsächlich ist die Integration von Zuwanderern längst zur Zukunftsfrage geworden: bedeutsam für den sozialen Zusammenhalt in den Kommunen, aber auch als Wirtschaftsfaktor.

Der Handlungsbedarf ist groß: Allein in Nordrhein-Westfalen ist jedes 3. ausländische Kind abhängig von SGB II-Leistungen. Was bedeutet dies konkret für die Kinder? Sie wachsen in wenig anregenden Umgebungen auf und erfahren vielfältige Benachteiligungen, die ihre Sozialisations-, Entwicklungs- und Lernprozesse beeinträchtigen. Im 2005 veröffentlichten Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung wird das höhere Armutsrisiko ausländischer Haushalte in erster Linie auf eine höhere Erwerbslosigkeit als Folge geringerer Bildungs- und Ausbildungsbeteiligung zurückgeführt.

Auch die Daten im "Wegweiser Demographischer Wandel" der Bertelsmann Stiftung bestätigen, dass überproportional viele ausländische Kinder und Jugendliche Förderschulen und Hauptschulen besuchen und umgekehrt unterdurchschnittlich viele ausländische Kinder und Jugendliche mit Realschulabschluss oder (Fach-) Hochschulreife die Schule verlassen. Ein Indikator für die Bildungsbenachteiligung von Migranten-Jugendlichen ist infolgedessen der Anteil von Schulabgängern ohne Abschluss. In Nordrhein-Westfalen verlassen im Durchschnitt ca. 14 Prozent der ausländischen Jugendlichen die Schule ohne Abschluss und damit etwa doppelt so viele wie im Durchschnitt der Gesamtbevölkerung. Die Aussichten auf eine gute Ausbildung, einen entsprechenden Beruf sind dementsprechend schlecht, das Armutsrisiko dagegen in vielen Fällen vorprogrammiert.

Kindern mit Migrationshintergrund eine Perspektive zu bieten heißt, sie von Geburt an individuell zu fördern und ihnen damit bessere Chancen im Bildungs- und Ausbildungssystem zu ermöglichen. Zudem sind professionelle Elternarbeit und die Zusammenarbeit mit Migrantenorganisationen unabdingbar und ebenso die Sprachförderung von klein auf. Aber auch die frühe Aufteilung der Schüler in verschiedene Schulformen stellt für viele Migrantenkinder offensichtlich eine Barriere dar. "Deutschland muss bei der Suche nach einem besseren und gerechteren Schulsystem aus seiner ideologischen Sackgasse heraus", so die Autorinnen. Die Einstellung von Lehrern mit Migrationshintergrund sowie die interkulturelle Aus- und Weiterbildung von Lehrkräften werden darüber hinaus für wichtig erachtet. Die Autorinnen betonen die Notwendigkeit von Kooperation: Eine erfolgreiche kommunale, strategische Integrationspolitik setzt die Kooperation der Kommunen mit den Schulen, der Jugendhilfe, der Wirtschaft, den Migrantenselbstorganisationen sowie Verbänden und Vereinen voraus. Unverzichtbar ist dabei ein aktives kommunales Bildungsmanagement, das effektive und intelligente Lösungsansätze für die besonderen Herausforderungen in Gemeinden und Staädten entwickeln kann.

Auf allen Ebenen, insbesondere in den Kommunen, ist die konkrete Umsetzung integrationspolitischer Maßnahmen zukunftsweisend - als eine Investition in die Zukunft. Denn wer sich mit Bildungsbenachteiligung abfindet, die zu mangelnder Beschäftigung und damit zu Integrationsdefiziten führt, verweigert Kindern und Jugendlichen eine faire Chance und gefährdet den sozialen Frieden. Die Integration von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund im Bildungswesen kann gelingen, wenn Integration als Querschnittsaufgabe in allen wichtigen gesellschaftlichen Feldern begriffen und insbesondere Chancengerechtigkeit hergestellt wird.

 

Claudia Walther
Projektmanagerin
Kompetenzzentrum Demokratie und Integration
Bertelsmann Stiftung

Telefon 05241 81-81360
Mobile 0173 2664779
Fax 05241 81-681360
E-Mail claudia.walther@bertelsmann.



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